Barrierefreier Tourismus für alle und uns

In seinem tieferen Sinn bedeutet barrierefreier Tourismus, die Ansprüche aller in Betracht zu ziehen, die bei Reisen mitkommen. Weiterhin bedeutet es einfach, einen unabhängigen Zugang zu Gebäuden, zu Außenflächen, touristischen Attraktionen und anderen touristischen Angeboten ohne weitere Hilfe. Dabei zielt der Fokus im Tourismus für alle auf eine gesicherte physische Zugänglichkeit sowie gleichermaßen auf die Verfügbarkeit von Informationen und Service.

In Estland wird die Barrierefreiheit in öffentlichen Räumen durch das Ministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten und Kommunikation mit der gesetzlichen Bauvorschrift “Erfordernisse zur Sicherung der Mobilität in öffentlichen Gebäuden für Menschen mit Mobilitäts-, Seh- und Höreinschränkungen” (leider ist diese nur in estnischer Sprache vorhanden) geleitet. Um die Mobilität behinderter Personen in öffentlichen Gebäuden sicherzustellen und die barrierefreie Bewegung in öffentlichen Gebäuden und auf Plätzen zu gewährleisten, schreibt diese Vorschrift Erfordernisse fest (§ 1). Für Reisende, die Estland besuchen, sind diese öffentlichen Gebäude:
1) Gebäude in denen es für die Öffentlichkeit Kommunikations-, Verkehrs- oder Parkservice; Kunst- oder andere kulturelle sowie Sportangebote gibt; Hobby-, Freizeit- oder Einkaufseinrichtungen beziehungsweise Service der Geldinstitute gibt; Gästezimmer oder gastronomische Angebote vorhanden sind.

2) Krankenhäuser, Gesundheitspflege oder ähnliche Einrichtungen.

3) Öffentliche Anlagen, die öffentliche Gebäude zugänglich machen.

4) Straßen, Plätze, Grünanlagen und Spielplätze (§ 2, Absatz 1, Punkt 1 – 6)

Räume innerhalb öffentlicher Gebäude müssen mittels angepasstem Zugang zugänglich sein. Falls öffentliche Räume in einem Gebäude in verschiedenen Fluren oder Ebenen liegen, müssen diese für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen mit einem für einen Rollstuhl angepassten Lift oder eine Schräge zugänglich sein (§ 13, Absatz 1) Generell dürfen Türen keine Schwellen haben. Ist dennoch aus baulichen Erfordernissen eine Schwelle notwendig, dann darf diese nicht höher als 20 mm sein (§ 14 Absatz 2) Es ist auch vorgesehen, dass in öffentlichen Gebäuden wenigstens einen Sanitärraum geben muss, der leicht zugänglich (barrierefrei) ist (§ 10).

Zusammenfassend gesagt: Diese Vorschrift zur Sicherung der Barrierefreiheit ist gesetzlich bindend für alle öffentlichen Anbieter in Estland wie Museen oder andere touristischen Attraktionen, Beherbergungsbetriebe wie Hotels, Bus- und Zugbahnhöfe, Einkaufszentren Restaurants usw. Zugleich möchten wir hervorheben, dass nicht alles, was gesetzlich verpflichtend ist, auch schon im realen Leben umgesetzt wurde. Manchmal kann die zur Barrierefreiheit gebotene Information unvollständig sein. Um zu vermeiden, dass Sie ins Abseits geraten, und um sicher zu sein, dass Sie den Urlaub insgesamt genießen können, raten wir Ihnen, sich im Vorfeld mit den Museen, Restaurants usw. in Verbindung zu setzen, falls Sie daran interessiert sind, deren tatsächlichen Tauglichkeit herauszufinden. Während der Reise ist es gut, Freunde und die Familie hinzuziehen oder Passanten beziehungsweise Servicemitarbeiter um Hilfe zu bitten. Außerdem können Sie sich gern mit uns in Verbindung setzen – gemeinsam werden wir helfen, eine wunderbare und unvergessliche Reise zusammenzustellen.

Als Behinderter, chronisch Kranker, Älterer, Schwangere oder Familie mit kleinen Kindern gehören Sie zur Zielgruppe deren Ansprüche besonders in Betracht gezogen werden sollten, denn im Herzen der Entwicklung des barrierefreien Tourismus stehen Menschen mit speziellen Ansprüchen.

Ausgangspunkt, um Angebote des Barrierefreien Tourismus zu entwickeln, sind fünf Kernpunkte:

  • Die Infrastruktur und die Anlagen am Reiseziel sind barrierefrei.
  • Das Reiseziel ist mittels barrierefreiem Transport erreichbar, der für alle Nutzer passend ist.
  • Qualitätsservice wird angeboten, welcher von ausgebildeten Mitarbeitern ausgeführt wird.
  • Jeder kann an allen Aktivitäten teilnehmen, alle Ausstellungen und Attraktionen sind barrierefrei.
  • Die angebotenen Informationen des Buchungssystems, der Vermarktung, der Internetseiten und anderer Dienstleistungen sind für alle verfügbar.

Bei der Auswahl der Reiseziele bevorzugen wir die allgemeinen Bedingungen, die auch bei den EDEN-Reisezielen (The European Destinations of Excellence – Hervorragende europäische Reiseziele) vorgestellt wurden. Das sind:

  • sogenannte “nicht traditionelle Attraktionen”, die, verglichen mit dem nationalen Durchschnitt, nur von wenigen Besuchern aufgesucht werden.
  • die touristischen Dienstleistungen werden in einer Art und Weise angeboten, welche soziale, kulturelle und ökologische Nachhaltigkeit sichert.
  • die Reiseziele werden in einer Kooperation organisiert, welche vor allem die regionalen Verwaltungsbüros oder Tourismusbetriebe einbezieht.
  • für alle Reiseziele, die bestehen (oder sich im Bau befinden) richten sich das Marketing in seiner Struktur und Strategie auf die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus.

 

Was ist EDEN und wie ist es mit der Barrierefreiheit und Estland als touristisches Reiseziel verbunden ?

EDEN hilft, Europas verborgene Schätze zu entdecken.

The European Destinations of Excellence (EDEN) - Hervorragende europäische Reiseziele (EDEN) –  streben danach, die Entwicklung nachhaltiger Tourismusmodelle in ganz Europa zu unterstützen. Die Initiative, die im Jahr 2006 ins Leben gerufen wurde, basiert auf nationalen Wettbewerben, die jedes Jahr stattfinden und in der Auswahl “hervorragender touristische Reiseziele” in jedem teilnehmenden Land münden. Zugleich lenkt der EDEN-Preis die Aufmerksamkeit auf die Werte, Vielfalt und gemeinsamen Besonderheiten dieser europäischen Reiseziele. Es steigert die Sichtbarkeit dieser aufstrebenden Orte, schafft eine Plattform, um gute Beispiele über ganz Europa zu verbreiten und fördert die Vernetzung der ausgezeichneten Regionen. Diese europäische Suche nach Hervorragendem im Tourismus wird um ein jährliches Thema herum entwickelt, die von der Europäischen Kommission gemeinsam mit den entsprechenden nationalen Tourismusverwaltungen entwickelt werden. Diese Themen umfassten bisher: den ländlichen Tourismus im Jahr 2007, das immaterielle Erbe im Jahr 2008, geschützte Flächen im Jahr 2009, den Wassertourismus im Jahr 2010, das Wiederherstellen materieller Anlagen im Jahr 2011 und den barrierefreien Tourismus im Jahr 2013.

Einer der unentdeckten Schätze Estlands ist die Stadt Haapsalu. Das wurde durch die Europäische Kommission im Jahr 2006 beim Start des Entwicklungsprojektes im Tourismus, EDEN, anerkannt. Im Jahr 2013 war Barrierefreiheit der Hauptgegenstand des Wettbewerbs und das von Estland eingereichte Projekt basierte auf Haapsalus Untersuchungen der Barrierefreiheit und zugleich der Bestätigung der Möglichkeit, dieses Projekt auf die Zielgruppe von Menschen mit Behinderungen sowie Ältere, Familien mit kleinen Kindern und Personen mit zeitweiligen Bewegungseinschränkungen zu richten. Die Organisatoren des Wettbewerbs stellten fest, dass das Projekt der Stadt Haapsalu nicht zu 100 Prozent barrierefrei ist, es aber alle notwendige Voraussetzungen für eine Entwicklung auf diesem Gebiet gibt und so ein Beitrag zur Entwicklung eines Tourismus für alle in Estland ist

Mehr über das EDEN – Projekt in Haapsalu sehen Sie hier (in estnischer Sprache) auf diesem Video.